Urlaub mit behindertem Kind – ADHS, Autismus, FASD

Seit vielen Jahren sind wir auf der Suche nach einem Urlaubsort, wo wir Eltern auch mit einem behinderten Kind (ADHS /Autismus und starke Entwicklungsverzögerung) Urlaub machen können. Und mit Urlaub meine ich: auch mal eine Stunde Zeit für sich, auch mal ein Buch lesen können oder länger als nur 15 Minuten beim Frühstück oder Abendessen sitzen. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: dieses Jahr haben wir wir zwei Urlaubsorte gefunden, an denen uns das ziemlich gut gelungen ist und die unterschiedlicher nicht sein könnten. Von diesen beiden Orten, in denen man richtig gut Urlaub mit behindertem Kind, zB mit ADHS, FASD oder Autismus machen kann, will ich Euch in diesem und im nächsten Blogbeitrag erzählen. (Werbung aus Überzeugung – alles selbst bezahlt!!).

Seit unsere Kinder (Zwillinge, heute 9 Jahre alt, einer davon mit starkem ADHS und der geistigen Reife eines ungefähr 4jährigen) drei oder vier Jahre alt sind, sehnen wir uns nach einem Urlaub, wo wir nicht – wie zu Hause – ständig hinter unserem Filius herrennen, weil man ihn nicht länger als zwei Minuten aus den Augen lassen kann. Einmal ein paar Seiten eines Buches lesen, einmal gemütlich frühstücken oder zu Abend essen… das wäre für uns ein echter Urlaub. Wir haben schon unzählige Dinge ausprobiert: teuren Cluburlaub mit Kinderbetreuung, ein Haus direkt am Ostseestrand, Urlaub auf dem Campingplatz, ein paar Tage auf der AIDA… Unsere Zwillinge sind jetzt 9 und wir haben es noch nie wirklich geschafft, diesen echten Erholungseffekt zu erreichen. Weil ich weiß, dass es vielen Eltern gerade von behinderten Kindern so geht (und sicherlich auch Eltern von Kleinkindern – doch diese Kinder werden irgendwann älter, und dann wird es besser. Unsere „besonderen“ Kinder bleiben immer Kleinkind…), schreibe ich Euch meine Tipps für einen Urlaub mit behindertem Kind (geistig behindert – für körperbehinderte Kinder eignen sich meine beiden Tipps nicht!) einfach mal auf – vielleicht passt es ja für die ein oder andere Familie auch so gut, wie für uns.

Urlaub mit behindertem Kind auf einer Bergalm

Blumenwiesen so weit das Auge reicht

In diesem Beitrag geht es um unseren Urlaub auf der Gehwolfalm im Großarltal in Österreich. Das Großarltal liegt im Salzburger Land, nicht weit von der deutschen Grenze entfernt weshalb die Anfahrt nicht ganz so weit ist, als wenn man weiter nach Österreich hinein fährt oder sogar bis Südtirol. Das Tal trägt den Beinamen „Tal der Almen“, weil es insgesamt 40 bewirtschaftete Almhütten an 250km markierten Wanderwegen gibt. In einer davon, der Gehwolfalm der Familie Gschwandtl, auf 1686m Seehöhe, haben wir einen Teil unseres Urlaubs verbracht und waren total begeistert.

Wer auf der Gehwolfalm Urlaub macht, stellt sei Auto auf dem großen Liftparkplatz in Großarl ab und wird samt Gepäck von der Familie Gschwandtl mit dem VW-Bus abgeholt und in ca. 15 Minuten Fahrzeit zur Alm gebracht. Schon die Tatsache, das Auto unten abzustellen und auf dem Berg Urlaub zu machen, entschleunigt und beruhigt. Erster Pluspunkt, insbesondere für kleinere oder behinderte Kinder: die Hütte liegt autofrei, lediglich die Anlieger der Bergbahnen oder Almen dürfen die Privatstraße auf den Berg hoch nutzen. Kinder kann man also völlig bedenkenlos herumtollen lassen.

Karin und Rupert Gschwandtl betreiben die Gehwolfalm seit vielen Jahren mit Leib und Seele. Alles ist liebevoll, ganz überwiegend aus Naturmaterialien wie Holz und Stein, angefertigt, was sofort eine ganz besondere Atmosphäre schafft.

Die Eigentümer und das gesamte Personal sind extrem gast- und kinderfreundlich. Hier schaut niemand schief, wenn die Kinder mal etwas lauter sind. Auf der Alm gibt es einen Kinderspielplatz mit Rutsche, Sandkasten, einem großen Trampolin und einer großen Terrasse mit verschiedenen Fahrgeräten (zB hochwertige Gokarts der Firma Berg).

 

 

 

Der Sinnesweg

Das Highlight der Gehwolfalm ist der Sinnesweg, ein von Karin und Rupert 2018 gestalteter und gebauter Naturerlebnis-Wanderpfad und -Spielplatz. Der Sinnesweg ist anhand der fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser aufgebaut. Jede Station stellt ein Element dar. Es darf gefühlt, gerochen, erlebt und geschaut werden. Der Sinnesweg beginnt nur 5 Minuten von der Gehwolfalm entfernt, die Stationen sind innerhalb von einer Stunde auch mit kleinen Kindern gut zu erreichen. Ein Wasserspielplatz, Wippen, Schaukeln, viele Sitz- und Liegemöglichkeiten laden hier zum Verweilen ein.

Eine Karte des Sinneswegs liegt zum Mitnehmen aus

liebevoll gestaltet: WC und Wickeltisch

Alle Stationen sind liebevoll gefertigt und betten sich in die Natur ein. Von hier aus hat man einen sensationellen Blick auf die Berge und das Tal.

In einem Tiergehege, das sich ebenfalls am Sinnesweg befindet, kann man Hühner, Ziegen Esel und Hasen bestaunen und auch anfassen.

Übernachtung auf der Gehwolfalm

Die Gehwolfalm hat ca. 20 Zimmer, auch für Familien mit vier, sechs und acht Schlafgelegenheiten. Im Großraumzimmer können sogar bis zu 12 Personen übernachten. Die Zimmer sind sauber, hell und gemütlich. Das Frühstück ist reichlich (Buffet), mit Bio-Produkten, das Abendessen (Zimmer sind mit Halbpension buchbar) ist super lecker, mit frischen und regionalen Produkten gekocht. Man kann aus einem Menü mit Salat, Suppe, Hauptspeise und Nachtisch zwischen zwei Hauptgerichten wählen – für die Kinder gibt es ein täglich wechselndes Kinderessen (Nudeln, Nuggets, Pizza, etc.). Sonderwünsche waren auch überhaupt kein Problem. Wer am Mittag essen möchte, kann aus der Karte eine der vielen ebenfalls super leckeren Gerichte wählen, die sich auch viele Wanderer, die auf der Hütte eine Pause machen, schmecken lassen.

Da die Hütte mitten auf der „Skipiste“ liegt, ist im Winter sicherlich die Hölle los. Im Sommer war es sehr angenehm – zur Mittagszeit war die Hütte gut besucht, aber am Morgen und Abends sind die Gäste für sich.

Wir hatten außerdem das „Heidi-Paket“ gebucht, wodurch an einem Tag ein liebevoll zusammengestelltes Picknick mit Würstchengrillen an der Feuerstelle des Sinneswegs erleben durften. Das war besonders für die Kinder ein unvergessenes Highlight. Außerdem war in dem Paket ein Transfer ins Tal zum Freizeitpark Großarl (mit Schwimmbad, Minigolf, etc.) enthalten, was wir aber nicht in Anspruch genommen haben, weil es uns in den Bergen so gut gefallen hat.

Fazit

Im Ergebnis war es der optimale Urlaub, gerade mit unserem besonderen Kind. Wir konnten ihn ohne Bedenken einfach mal laufen lassen, niemand hat sich daran gestört, dass er oftmals noch etwas „lauter“ ist, als andere Kinder. Er konnte nichts kaputt machen, so gut wie nichts „anstellen“ und sich am Berg voll auspowern. Von der Gehwolfalm haben wir kleinere und größere Wanderungen unternommen, sind mehrfach mit dem Sessellift hoch und runter gefahren (der nette Kontrolleur hat uns sogar erlaubt, sitzen zu bleiben!), die Kinder haben täglich den Sinnesweg „bespielt“ und betobt, die Tiere gestreichelt und Staudämme am Wasser gebaut. Und wir konnten mit einem guten Buch und einem Latte auf der Terrasse der Gehwolfalm sitzen und einfach mal nur zuschauen und entspannen. Herrlich!!!

Wer sich informieren will, sollte sich die Webseite der Gehwolfalm ansehen (www.gehwolfalm.com) und per Mail mit Karin und Rupert Kontakt aufnehmen. Wir können es, zum Urlaub-Machen mit behinderten Kindern (aber natürlich auch mit nichtbehinderten kleinen Kindern) extrem empfehlen.

 

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