Aupair Kosten

Aupair Kosten sind ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Frage, ob man diese Art der Kinderbetreuung für sich in Erwägung zieht. Informiert Ihr Euch im Internet über die Kosten für ein Aupair, stellt Ihr sehr schnell fest, dass ein Aupair in Deutschland 260€ Taschengeld monatlich bekommt. Dem entgegen stehen 30 Stunden pro Woche, die das Aupair an maximal 6 Tagen arbeiten darf. Das klingt erst einmal nach einem aus Sicht der Gastfamilie günstigen Babysitter. Wenn Ihr aber genauer hinschaut oder aufgrund von eigenen Erfahrungen die tatsächlichen Aupair Kosten aufschlüsselt, stellt Ihr schnell fest, dass es mit den 260€ nicht getan ist. Auch wenn sich die Kosten nicht verallgemeinern lassen, möchte ich Euch aufgrund unserer Erfahrungen einen Anhalt geben, welche Kosten als Aupair Gastfamilie auf Euch zukommen können.

Welche Aupair Kosten fallen an?

Im Europäische Abkommen über die Aupair-Beschäftigung sind folgende Positionen festgelegt:

– Taschengeld (260€ mtl)
– Zuschuss zum Sprachkurs (50€ mtl)
– Kranken- und Unfallversicherung (ca. 50€ mtl)
– Unterkunft und Verpflegung

Das vom Europarat 1969 verabschiedete Abkommen ist von der Bundesrepublik Deutschland nicht bestätigt worden und hat somit hier keinen Rechtscharakter angenommen. Die wesentlichen Kriterien dieses Abkommens sind aber auch in der Bundesrepublik Deutschland als maßgeblich anerkannt, so dass die dort aufgeführten finanziellen Verpflichtungen die Basis für eine Kalkulation der Aupair Kosten darstellen.

Tatsächlich fallen weitere Kosten an, die Ihr für sich kalkulieren solltet, wenn Ihr die Entscheidung für oder gegen ein Aupair trefft. Diese Kosten variieren individuell, z.B. je nachdem ob ich eine Agentur für die Vermittlung beauftrage, ob das Zimmer für das Aupair noch komplett einrichten/renovieren muss oder ob ich das Aupair mit in den Urlaub nehmen will und ihr die Flüge und das Hotel bezahle. Außerdem sind die laufenden Kosten sehr abhängig vom Wohnort der Gasteltern. Das betrifft insbesondere Kosten für den öffentlichen Nahverkehr und für Sprachkurse. In ländlicheren Gegenden braucht man vielleicht keine Fahrkarte, weil man alles zu Fuß oder per Fahrrad machen kann oder man braucht gerade eine, weil man zum Einkaufen oder zur Schule der Kinder mit dem Bus fahren muss. Und auch die Kosten für den Sprachkurs variieren zum Teil erheblich, auch abhängig davon, ob Aupairs als Ermäßigte anerkannt sind oder nicht. Hier in Berlin ist das nicht so, keine Ermäßigung und mit dem Fahrrad kommt man auch nicht weit, so dass Fahrkarte und Sprachkurs als besonders teure Positionen zu Buch schlagen.

Unsere Erfahrungen mit Aupair Kosten für Gasteltern

In der Regel kommen die Aupairs nicht mit einer üppigen „Urlaubskasse“ oder Ersparnissen ins Gastland, so dass sie mit den vorgegebenen 260€ Taschengeld plus 50€ Sprachkurszuschuss alle anfallenden Kosten für Freizeitunternehmungen, Sprachkurse und Bücher, öffentlichen Nahverkehr, Kleidung, Kosmetik, Handykosten bestreiten müssen. Viele Aupairs möchten auch im Anschluss an die Aupair Zeit noch ein bisschen durch Deutschland oder Europa reisen und haben auch noch kein Rückflugticket gekauft. Dafür wollen sie monatlich Geld zurücklegen. Gleich zu Beginn des Aufenthalts fallen oftmals besonders hohe Kosten z.B. für das Visum, den Sprachkurs oder eine Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr an. Dafür reichen die 260€ meiner Erfahrung nach (zumindest in einer Großstadt wie Berlin) nicht aus. In den ersten beiden Monaten überhaupt nicht, aber auch danach nicht – zumindest nicht, wenn man möchte, dass das Aupair gelegentlich mit Freunden zum Essen oder ins Kino gehen, ein Museum besuchen oder ein neues T-Shirt oder Schuhe kaufen kann. Entweder zahlt die Gastfamilie diese Ausgaben, wenn das Aupair als Gastkind überall dabei ist oder es macht es selbständig und braucht das Geld genauso. Auch wenn wir rechtlich nicht verpflichtet sind, haben wir deshalb weitere Fixkosten des Aupairs, für „Grundbedürfnisse“, insbesondere die, von denen wir auch profitierten, übernommen.

Kosten, die wir zusätzlich zu den 260€ Taschengeld übernommen haben

  1. Die Kosten für Sprachkurse bis zum Erreichen eines angemessenen Sprachlevels plus Bücher

In Berlin kostet ein Sprachkurs bei der Volkshochschule 205€ für 5 Wochen. Das ist ein Intensivkurs (Integrationskurs), 4 Tage pro Woche 4 Stunden täglich. Dazu kommen obligatorische Bücher und Übungshefte. Da wir nicht wollten, dass das Aupair erst auf den Sprachkurs sparen muss sondern gleich nach Ankunft mit dem Kurs beginnen, haben wir vereinbart, dass wir statt der 50€ Sprachkurszuschuss monatlich, die Kosten für 3 Sprachkurse (A1/1, A1/2 und A2/1) und die dazugehörigen Bücher übernehmen. Uns war es einerseits wichtig, dass unsere Aupairs möglichst schnell ein Grundsprachniveau erwerben (insbesondere für den Umgang mit unseren Kindern) und andererseits, dass sie vormittags eine sinnvolle Beschäftigung haben. Ermäßigungen für Aupairs gibt es bei der Volkshochschule in Berlin nicht, da sie keinen Studentenausweis o.ä. haben.

  1. Kosten für den öffentlichen Nahverkehr

Je nachdem wo man wohnt, können die Wege zum Sprachkurs oder zu Freizeitunternehmungen nicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Auch wenn unsere Aupairs die Volkshochschule mit dem Fahrrad erreichen konnten (was sie auch teilweise getan haben), wollten wir Ihnen die Mobilität in der Großstadt Berlin ermöglichen. Außerdem war es in unserem Interesse, dass das Aupair mit den Kindern Busse und Bahn benutzen kann. Auch bei den Monats-/Jahreskarten für den öffentlichen Nahverkehr in Berlin gibt es keine Ermäßigung für Aupairs (meine schriftliche Anfrage bei den Berliner Verkehrsbetrieben, Aupairs wegen ihres geringen gesetzlich festgesetzten Einkommen den begünstigten Studenten oder Auszubildenden gleichzustellen, wurde höflich negativ beschieden), so dass wir für die Aupairs ein Monatskartenabonnement abgeschlossen haben, das hier in Berlin etwas über 55€ mtl. kostet.

  1. Handykosten

Wir haben unseren Aupair außerdem ein Smartphone mit SIM-Karte mit einem angemessenen Kontingent an Freiminuten, SMS und Datenvolumen zur Verfügung gestellt. Kosten: 9,90€ pro Monat an laufenden Kosten plus die Kosten für die einmalige Anschaffung eines Smartphones, was dann von Aupair zu AuPair weitergegeben wurde. (Die eigenen Smartphones der Aupair haben bis auf eines in Deutschland mit deutscher SIM Karte nicht funktioniert)

Einerseits war es uns wichtig, dass sie für uns unter einer deutschen Nummer erreichbar ist, nicht nur per Telefon sondern auch per SMS/WhatsApp. Außerdem haben alle unsere Aupairs regelmäßig Fotos von den Unternehmungen mit den Kindern gemacht und uns auch mal zwischendurch geschickt, was wir immer sehr schön fanden. (Merker: unbedingt mit dem Aupair vereinbaren, dass die Fotos von den Kindern nicht weitergegeben und schon gar nicht in Social Media o.ä. eingestellt werden dürfen!!).

  1. Kosten für das Visum/die Aufenthalts-/Arbeitserlaubnis

Je nachdem, woher das Aupair kommt, muss ein Visum beantragt und bezahlt werden. Bei unseren Aupairs aus den USA musste das Touristenvisum, das es bei Einreise automatisch bekommen hat, nach spätestens 3 Monaten verlängert werden. Kosten je nach Herkunftsland und Gast-Bundesland zwischen 50 und 150€, bei uns 60€.

  1. Kosten für die Verpflegung

Aufgrund unseres Tagesablaufs (Eltern berufstätig, Kinder bis 15 Uhr in der Kita) müssen sich unsere Aupairs unter der Woche zum Frühstück und Mittagessen selbst verpflegen. Das Einkaufen von Lebensmitteln gehört außerdem zu ihren Pflichten im Haushalt. Für die Einkäufe haben deshalb wir einen Haushaltsgeldbeutel hingelegt und grob festgelegt, was das Aupair damit einkaufen kann. Wir haben einen Aldi, einen Rewe und einen Bioladen in unserem unmittelbaren Umfeld – da macht es natürlich einen deutlichen Preisunterschied, was ich wo kaufe. Ich habe unseren Aupairs unsere Einkaufsphilosophie umschrieben („gesundes Mittelmaß – nicht zwingend immer Bioladen aber auch nicht die Billigprodukte“) und wir haben konkret besprochen, welche Produkte sie für uns wo kaufen soll.  Wir haben vereinbart, dass wir ihre Mahlzeiten und Getränke bezahlen, solange es sich im „normalen Rahmen“ bewegt und mit unserem Einkaufsverhalten ungefähr übereinstimmt. Die Kassenzettel habe ich im Geldbeutel sammeln lassen, um ein bisschen Überblick zu behalten, was das AuPair mit unserem Geld bezahlt. Hier hatten alle Aupairs ein gutes Gespür dafür, was zum normalen Lebensunterhalt gehört und was „Extras“ sind, die sie dann selbst bezahlt haben (z.B. Süßigkeiten, Kosmetik, Zeitschriften). Hätte das Aupair für sich ständig teure Produkte aus dem Bioladen gekauft oder übermäßig viele Süßigkeiten von unserem Geld bezahlt, hätte ich das besprochen. Konkret war das nie nötig.

Ich schätze, dass wir ca. 100-150€ mtl. an Mehrkosten für die Verpflegung (einschl. Toilettenartikeln wie Zahnpasta, Toilettenpapier, Taschentücher…) der Aupairs hatten. Das kann allerdings stark variieren: Eines unserer Aupairs hat abends und an den Wochenenden immer mit uns gegessen und nur Wasser aus dem Wasserhahn getrunken, da waren die Mehrkosten sehr viel geringer. Ein anderes Aupair ist mit unserem deutschen (und aus ihrer Sicht gesunden) Essen nie warm geworden, hat sich ständig Pizzen aufgebacken und Chicken Nuggets mit Pommes und viel Ketchup gemacht und nur Cola und Fanta getrunken. Entsprechend höher waren die Kosten bei ihr. Aber immer noch im Rahmen.

  1. Kosten für gemeinsame Ausflüge, Unternehmungen, Urlaube

Selbstverständlich haben wir für das Aupair bezahlt, wenn wir mit ihr Essen gegangen sind, bei gemeinsamen Ausflügen, und wir haben die Kosten für Eintritte o.ä. bei Unternehmungen mit den Kindern übernommen. Ein Aupair haben wir mit in den Urlaub genommen und die Kosten für Zimmer, Verpflegung, etc. getragen.

  1. Versicherung

Wir haben eine Reisekrankenversicherung plus Unfallversicherung für unsere Aupairs abgeschlossen, die uns ca. 50€ mtl. gekostet hat.

Kosten, die das Aupair selbst getragen hat

Mit den 260€ Taschengeld hat das Aupair alle Freizeitunternehmungen bezahlt, Kleidung, Ausflüge und Reisen mit Freunden, außerdem Kleidung, Kosmetik, Bücher, Süßigkeiten, etc. Eines der Aupairs hatte von zu Hause aus so wenig Geld, dass sie im Laufe der Zeit bei uns den Rückflug „ersparen“ musste, einschl. Geld für Mitbringsel an die Familie. Da ihr das nicht ganz gelungen ist, haben wir ihr am Ende etwas Geld für den Rückflug dazugegeben. Ein Aupair hat regelmäßig ihre Freiminuten und -SMS mit dem Handy überschritten und uns die Mehrkosten erstattet (auch das war im Vorfeld so abgesprochen).

Gesamtkosten

Wenn man die Positionen zusammenrechnet und die „Einmalzahlungen“ auf 12 Monate umlegt (in der Annahme, dass Aupairs in der Regel ein Jahr bleiben) komme ich im Ergebnis auf Gesamtkosten von 600€ mtl.

Taschengeld: 260€ mtl.
Versicherung: 50€ mtl.
3 Sprachkurse und Bücher: 615€ + 70€ = 685€ : 12 = ca. 60€ mtl.
Telefonkarte: 10€ mtl.
Fahrkarte: 55€ mtl.
Verpflegung: 150€ mtl.
Visum: 60€ : 12 = 5€ mtl.

Das ist ein Anhalt, denn bis auf das Taschengeld können alle Kosten in jeder Familie stark variieren. Aber es klingt schon ganz anders als 260€ Taschengeld. Und im Hinterkopf behalten muss man natürlich auch erhöhte Wohnnebenkosten, Ausgaben für Urlaube, Essen gehen, Geschenke, etc.

Bis auf die Kosten für die Verpflegung habe ich all diese Kosten jedes Jahr in der Steuererklärung unter „Kinderbetreuungskosten“ angegeben. Diese wurden von unserem Finanzamt bisher immer anstandslos anerkannt.

Fazit

Für das, was wir unterm Strich an Leistungen bekommen plus das Gefühl, auch auf spontane Bedürfnisse flexibel reagieren zu können, empfinden wir persönlich die Kosten für ein Aupair als angemessen. Wenn ich stattdessen „legal“ einen Babysitter/eine Kinderfrau beschäftigen würde, kann ich diese entweder als geringfügig Beschäftigte anmelden, dann bekomme ich dafür aber maximal 30-40 Stunden pro Monat. Die sind schnell aufgebraucht, wenn man Kinder regelmäßig 4-5 Tage am Nachmittag und an schul-/kitafreien Tagen betreut haben möchte und vielleicht noch die Annehmlichkeiten wie Aufräumen, Staubsaugen, Küche sauber machen und Einkaufen gehen nutzen will.

Das liegt aber ganz sicher auch daran, dass ich sowohl als Kind als auch als Gastmutter ganz überwiegend sehr positive Erfahrungen mit Aupairs gemacht habe. Mehr zu diesen Erfahrungen könnt Ihr im Blogbeitrag „Aupair Gastfamilie werden“ und „Erfahrungen als Aupair Gastfamilie“ lesen. Es geht unter anderem darum, wo man das richtige Aupair für sich findet, wonach man bei der Suche achten sollte, wie sich Gasteltern und Kinder fühlen, wenn ein Aupair mit im Haus wohnt und warum für uns Mormoninnen die perfekten Aupair Mädchen sind….

Schaut doch mal rein!

 

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