Aupair Gastfamilie werden

Wer kennt das nicht: nach einem prall gefüllten (halben) Arbeitstag mal wieder auf den letzten Drücker zur Kita hetzen, ein fieberndes Kind zu Hause und der Kühlschrank ist leer, ein toller Film im Kino und der letzte Paarabend ist auch schon wieder Monate her, Kind A muss zum Impfen und Kind B möchte nicht mit, Oma und Opa 600km entfernt und die Babysitterin steckt im Abi und hat kaum Zeit….  Viele Familien stolpern auf der Suche nach alternativen und bezahbaren Betreuungsmodellen über Frage, ob ein Aupair Mädchen vielleicht eine Lösung sein könnte. Ich möchte Euch sowohl aus der Sicht eines Kindes (meine Schwester und ich sind mit Aupairs groß geworden) als auch aus Sicht einer Gastmutter mit Aupairs in den letzten 4 Jahren hilfreiche Tipps zur Entscheidungsfindung und zur Umsetzung, Aupair Gastfamilie zu werden, geben.

Zunächst muss ich vorausschicken, dass Erfahrungen als Aupair Gastfamilie nur bedingt auf andere übertragbar sind. Ob man sich für ein Aupair entscheidet, welches Aupair zur Familiensituation passt und wie das Zusammenleben gelingt, hängt nicht nur vom Aupair (wo kommt es her, wie alt ist es, etc.) sondern auch davon ab, ob man in einer Großstadt wohnt oder auf dem Land, vom Alter und der Zahl der Kinder, von der Wohnsituation und von der Arbeitsbelastung der Eltern. Und natürlich von den Erwartungen, die man an ein Aupair hat.

Aupair – Gastkind oder bezahltes Kindermädchen?

Liest man einschlägige Artikel und Erfahrungsberichte zu Aupairs, so stellt man insbesondere in den Kommentaren unter den Beiträgen fest, dass eine Grundsatzdiskussion darüber entfacht, was Sinn und Zweck eines Aupair Aufenthalts ist (aus Sicht beider Parteien) und was dementsprechend Aupair und Gastfamilie erwarten können. Hier prallen zwei Philosophien aufeinander. Zugespitzt will ich es mal so formulieren: die eine Hälfte (meist diejenigen, die selbst z.B. nach dem Abitur für ein Jahr als Aupair im Ausland waren) wünscht sich, dass das Aupair wie ein zusätzliches Kind in die Familie integriert wird, so dass es Land und Leute und die Kultur kennenlernt und die Sprachkenntnisse festigt. Es fährt mit in den Urlaub und zu Familienfeiern, geht am Sonntag mit ins Kino oder zum Eis Essen, schaut abends den Familienfilm oder das Fußballländerspiel im Wohnzimmer – eben wie ein zusätzliches (Gast-)kind. Im Gegenzug kümmert sich das Aupair wie eine ältere Schwester um die jüngeren Kinder im Haus, spielt mit ihnen, macht mit ihnen Hausaufgaben und babysittet, wenn die Eltern mal ins Kino gehen. Außerdem hilft es der Gastmutter ab und zu in der Küche, macht auch mal das Mittagessen für die Kinder warm oder kocht ein Gericht aus der Heimat für die ganze Familie.

Die andere Hälfte beschreibt ein Aupair, das feste Pflichten und „Arbeitszeiten“ hat und das dafür Taschengeld, Sprachkurs, Fahrkarte, ein schönes Zimmer und volle Verpflegung bekommt. Außerhalb der festen Pflichten und Zeiten ist das Verhältnis am ehesten mit einer WG zu vergleichen. Man isst zusammen, man unternimmt auch mal was gemeinsam, aber je nachdem wie gut man sich versteht und die Chemie stimmt, ist ein alles weitere ein „Kann“ aber kein „Muss“.

Keine dieser beiden Philosophien ist falsch oder richtig. Man muss sich nur bewußt werden, dass es diese beiden grundlegend unterschiedlichen Sichten und Lebensweisen gibt, muss sich entscheiden, was man selbst möchte und dies bei der Suche nach einem Aupair berücksichtigen und vor allem klar kommunizieren.

Aupair Suche – wo suche ich?

Grundsätzlich gibt es zwei gute Möglichkeiten, ein Aupair zu suchen: über eine Agentur oder über das Internet.

Die Vermittlung eines Aupairs über eine Agentur ist teurer als die übers Internet, jedoch wird man von Beginn an betreut und beraten. Bei der Suche und Auswahl des Aupairs, bei der Einreise (Visum, etc.) und auch dann noch, wenn das Aupair schon da ist. Oft werden die Aupairs in ihrem Heimatland von Partneragenturen betreut und vorbereitet (z.B. mit Sprachkursen und anderen Fortbildungen wie z.B. Erste Hilfe, Hauswirtschaft, etc.). Im Internet findet Ihr unzählige Agenturen. Empfehlen kann ich keine, da wir unsere Aupairs über das Internet gesucht haben, dazu aber gleich. Als Nachteil der Agenturen habe ich neben der Kosten gelesen, dass das Verfahren oftmals sehr langwierig ist. D.h. nachdem man entsprechende Angaben zum Wunsch-Aupair gemacht hat, bekommt man verschiedene „Angebote“ passender Aupairs zugeschickt, man nimmt dann Kontakt auf und wenn keine davon passt, fordert man neue Angebote an. Das kann sich dann schon eine ganze Weile hinziehen.

Die (seriösen) Internet-Plattformen zur Vermittlung von Aupairs und Gastfamilien funktionieren ähnlich wie die einschlägigen Singleportale. Aupairs und Gastfamilien stellen ihr Profil ein, stellen sich vor und formulieren Erwartungen und Voraussetzungen für den Aufenthalt. Dann kann man über Filter (Herkunfts-/Gastland, Alter des Aupairs/der Kinder, Aufenthaltszeit/-dauer, Sprachkenntnisse, Führerschein erforderlich, etc.) passende Profile von angemeldeten Aupairs/Gastfamilien anzeigen lassen. Wenn man Kontakt aufnehmen will, muss man eine Gebühr bezahlen, die erträglich ist, aber so hoch, dass Missbrauchsgefahr und Spassprofile reduziert werden. Damit erwirbt man einen zeitlich begrenzten „Premiumzugang“ und kann in dieser Zeit unbegrenzt suchen und Kontakt aufnehmen.

Wir haben gute Erfahrungen mit „Aupairworld.net“ gemacht (unbezahlte Werbung!). Das ist eine der großen Plattformen, so dass man als Gastfamilie eine große Auswahl an potentiellen Aupairs hat, auch weil insbesondere europäische Gastfamilien hier suchen, d.h. auch die Aupairs, die nach Europa wollen, diese Plattform nutzen. Uns wurde diese Plattform von anderen Gasteltern mit guten Erfahrungen empfohlen, daher habe ich nichts anderes ausprobiert.

Auffällig (aber nicht verwunderlich) ist, dass man als Gasteltern in einer Großstadt wesentlich mehr Auswahl an potentiellen Aupairs hat. Klar, wer als Aupair ins Ausland geht, ist in der Regel jung und möchte was erleben. Da bietet sich ein Aufenthalt in wohlklingenden Städten wie Berlin, München, Köln oder Hamburg natürlich an… Es gibt aber genauso Aupairs, die selbst aus einer Kleinstadt oder einer ländlichen Gegend kommen und gar nicht in eine Großstadt wollen.

Aupair Suche – wen suche ich?

Wie oben schon erwähnt, halte ich es für ganz wichtig, schon bei der Formulierung des Profils für Agentur oder Internet-Plattform 100% ehrlich zu sein, was die Erwartungen an und „Konditionen“ für das Aupair anbelangt. In der Folge sollte dies bei einer weiteren Kontaktaufnahme noch einmal ganz eindeutig schriftlich und mündlich formuliert werden: Welche Leistungen bekommt das Aupair und was wird dafür erwartet. Wie ist der Tagesablauf, was sind die Pflichten und was die Rechte. Wie wird das Aupair in den Alltag außerhalb der „Arbeitszeiten“ eingebunden und wie auch nicht. Natürlich neigt man dazu, sich gut darzustellen, um ein „gutes“ Aupair abzubekommen. Man sollte sich aber immer klarmachen, dass irgendwann das Aupair mit seinen Koffern von weit angereist vor der Tür steht und plant, vielleicht ein ganzes Jahr zu bleiben. Da sollte man so viel wie möglich vorher geklärt haben. Einen Aupair Aufenthalt vorzeitig abzubrechen, ist zwar möglich, aber für alle Seiten immer unangenehm. Deshalb: vor allem die Frage, wie das Aupair in das Familienleben integriert wird, sollte vorher angesprochen werden. Erinnert Ihr Euch noch, was ich oben zum Philosophienstreit zum Sinn und Zweck eines Aupairs geschrieben habe? Meine Erfahrung ist, dass man, wenn man ein „Gastkind“ möchte, sich für ein etwas jüngeres Aupair entscheiden sollte. Sucht man eher das „bezahlte Kindermädchen“, dann ist es sinnvoll, ein etwas älteres Aupair zu nehmen, das schon auf einen Füßen steht, idealerweise schon einen eigenen Haushalt geführt hat und daher schon von ganz alleine viel selbständiger und unabhängiger ist und auch sein will.

Aufgrund unserer Lebens- und Berufssituation wollten wir ein Aupair, das seine Freizeit möglichst unabhängig von uns verbringt. Also die „WG – alles kann, nichts muss“-Konstellation. Unsere Aupairs waren dann auch alle schon etwas älter (23-27 Jahre alt) und es hat bei allen auch genau so funktioniert. Sowohl die Aupairs als auch wir waren sehr zufrieden mit diesem Modell. Als ich ein Kind war, hatten wir sehr junge Aupairs (16-18 Jahre alt), das war für meine Eltern in vielerlei Hinsicht sehr schwierig. Zu unseren Erfahrungen aber später noch mehr.

Besonders wichtig: woher kommt das Aupair?

Ein noch wichtigerer Faktor als das Alter des Aupairs ist meines Erachtens der Kulturkreis, aus dem das Aupair kommt.  Ich persönlich habe eigene Erfahrungen nur mit Aupairs aus Europa und den USA gemacht, daher spreche ich hier auch viel vom „Hörensagen“ und von Erfahrungen anderer, die ich aus erster oder zweiter Hand mitbekommen habe. Ich persönlich glaube, dass es grundsätzlich einfacher ist, wenn man ein Aupair aus dem „westlichen Kulturkreis“ bei sich aufnimmt. Ein gewisses Grundverständnis, kulturelle Eigenarten, etc. sind hier schon vorhanden. Natürlich geht dann ein Stück „fremde Kultur kennenlernen“, verloren. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass es immer noch so viele (kulturelle) Unterschiede gibt, selbst wenn man ein Aupair aus Frankreich, England oder den USA aufnimmt, die im engen Zusammenleben ausbalanciert werden müssen. Das fängt beim Essen an, Einstellung zu Hygiene, Erziehung, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit, etc. – das wäre bei einem deutschen Aupair in einer deutschen Familie nicht anders. Daher meine Erfahrung: je größer die kulturelle Ähnlichkeit und die grundsätzlichen Ansichten zu Werten und Tugenden, desto einfacher das Zusammenleben und -arbeiten.

Allerdings scheint es so, dass Aupairs aus Westeuropa oder den USA/Kanada/Australien/Neuseeland in Deutschland sehr beliebt sind, so dass diese Aupairs aus vielen Familien wählen können (und das oft an einem für sie attraktiven Wohnort festmachen). Dies führt dazu, dass außerhalb von Großstädten oftmals auf Aupairs aus Osteuropa, Asien oder Russland zurückgegriffen werden „muss“ (die in der Regel sehr jung sind). Aber auch hier kenne ich viele Familien mit sehr guten Erfahrungen!

AuPair – rechtliche Voraussetzungen

Das vom Europarat 1969 verabschiedete „Europäische Abkommen über die Aupair-Beschäftigung“ ist von der Bundesrepublik Deutschland nicht bestätigt worden und hat somit hier keinen Rechtscharakter angenommen. Die wesentlichen Kriterien dieses Abkommens sind aber auch in der Bundesrepublik Deutschland als maßgeblich anerkannt. Diese Kriterien und die bestehenden Gepflogenheiten lassen sich wie folgt kurz zusammenfassen:

  • Mindestalter bei Beginn der Beschäftigung grundsätzlich 18 Jahre.
  • Die Altersgrenze bei Aupairs beträgt 27 Jahre. Diese darf bei Beantragung des Aufenthaltstitels noch nicht erreicht sein.
  • Integration in die Gastfamilie,
  • Mitwirkung insbesondere bei leichten Haushaltsarbeiten und bei der Kinderbetreuung, einschließlich Babysitting (insgesamt grundsätzlich nicht mehr als 6 Stunden täglich und 30 Stunden wöchentlich),
  • Gewährung von mindestens einem freien Tag pro Woche (der mindestens einmal monatlich auf einen Sonntag fällt) und von mindestens vier freien Abenden pro Woche,
  • Freistellung für Sprachkurse, Religionsausübung, kulturelle Veranstaltungen und Exkursionen,
  • finanzielle Beteiligung der Gastfamilie von 50 Euro monatlich für die Teilnahme an Deutschsprachkursen,
  • bezahlter Erholungsurlaub von 4 Wochen (bei kürzerer Tätigkeit als ein Jahr: 2 Werktage pro vollem Monat),
  • Versicherung durch die Gastfamilie für den Fall der Krankheit, Schwangerschaft und Geburt sowie eines Unfalls,
  • Zahlung eines bestimmten Betrages als Taschengeld unabhängig von der Dauer der Hausarbeitszeit (zur Zeit 260 Euro monatlich),
  • angemessene Unterkunft (grundsätzlich eigenes Zimmer in der Familienwohnung) und Verpflegung durch die Gastfamilie,
  • Abschluss eines schriftlichen Vertrages über die gegenseitigen Rechte und Pflichten
  • Abschuss einer Krankenversicherung (einschl. Unfallversicherung)

Für viele Familien scheitert die Aufnahme eines Aupairs neben dem finanziellen Aspekt (dazu gleich mehr) an der Zurverfügungstellung eines eigenen, geeigneten Zimmers. Auch hier ist meine persönliche Erfahrung, dass es je nach Erwartung (s. oben), wichtig ist, dass das Zimmer in Größe und Einrichtung so beschaffen ist, dass es nicht nur Schlafzimmer sondern auch Wohnzimmer des Aupairs ist, so dass es sich gerne dort aufhält. Auch das ist wieder eine Geschmacksfrage, aber insbesondere abends und an den Wochenenden finde ich es angenehm, wenn das Aupair nicht mit meinem Mann und mir im Wohnzimmer sitzt und Fern sieht und auch nicht in unserem Bad herumturnt, sondern sein Zimmer und wenn möglich auch ein eigenes Bad nutzt. Dies ist aber nicht in jeder Wohnung/in jedem Haus möglich. Die Vorstellung, dass das Aupair mit im Haus/in der Wohnung wohnt, ist meiner Erfahrung nach eines der größten Hürden, wenn man über ein Aupair nachdenkt. Das wird wesentlich relativiert, wenn das Aupair sein Zimmer auch als „Wohnzimmer“ nutzen kann und vielleicht sogar ein eigenes Bad hat. Bei uns hat auch das bei allen Aupairs gut funktioniert. Abends nach dem gemeinsamen Abendessen und an freien Wochenenden waren die Aupair eigentlich immer (wenn sie zu Hause waren) in ihrem Zimmer und haben dort gelesen, gelernt, gemalt, ferngesehen (meist übrigens DVD oder Netflix in Muttersprache über ihren Laptop) oder mit Familie und Freunden geskyped. Und das war übrigens einer der wenigen „Erwartungen“, die wir im Vorfeld so nicht kommuniziert haben („wir möchten nicht, dass Du unser Wohnzimmer oder Bad nutzt“ fände ich persönlich als Aussage zu unfreundlich) . Es hat sich zum Glück so ergeben –  vielleicht auch, weil wir uns bewußt für den Typ „selbständiges WG-Aupair“  entschieden haben.

Was kostet ein Aupair

Liest man die in Deutschland anzuwendenden rechtlichen Voraussetzungen für die Beschäftigung eines Aupairs, so scheint diese Art von Babysitter erst einmal eine günstige Variante zu sein: 260€ Taschengeld für maximal 30 Stunden Arbeiten in der Woche ist ein (aus Familiensicht) unschlagbarer Stundenlohn. Das provoziert jetzt natürlich wieder die Verfechter der „Gastkind-Philosophie“, dass das ja kein Arbeitsentgelt ist sondern das Aupair bei freier Kost und Logis in die Familie aufgenommen wird…. aber mal ganz pragmatisch: jeder, der sich für ein Aupair entscheidet, sollte wissen, welche zusätzlichen Kosten auf einen zukommen – egal ob man sich für ein Gastkind oder ein WG-Aupair entscheidet.

Verallgemeinert würde ich sagen, dass ein Aupair im Ergebnis ca 400-600€ pro Monat an Fixkosten verursacht. Darin sind Kosten für das Taschengeld, für die Versicherung (Kranken- und Unfallversicherung), für Sprachkurse mit Büchern, für Verpflegung, ggf. für Fahrtkosten (öffentlicher Nahverkehr), ggf. für Telefonkosten (SIM Karte mit Freiminuten/SMS und Datenvolumen) und ggf. für das Visum enthalten. Dazu kommen erhöhte Wohnnebenkosten (Wasser, Strom, Heizung), Zusatzkosten wenn man das AuPair bei Freizeitunternehmungen oder in den Urlaub mitnimmt sowie ggf. Kosten für die Einrichtung des Zimmers. Die Fixkosten sind allerdings stark abhängig vom Wohnort der Aupair Gastfamilie und dort möglichen Ermässigungen, gerade was die Kosten für Sprachkurse oder Fahrtkarten anbelangen. Wenn Ihr dazu genauere Infos wollt, um Euch auszurechnen, was Euch ganz konkret ein Aupair kosten würde, könnt Ihr das in einem separaten Blogbeitrag von mir hier nachlesen (den Link findet Ihr auch noch einmal am Ende des Artikels, Ihr könnt also in Ruhe zu Ende lesen).

Bis auf die Kosten für die Verpflegung habe ich übrigens all diese Kosten jedes Jahr in der Steuererklärung unter „Kinderbetreuungskosten“ angegeben. Diese wurden von unserem Finanzamt bisher immer anstandslos anerkannt.

Und was bekomme ich dafür?

Ein Aupair ist in erster Linie für die Betreuung der Kinder zuständig. Unsere Aupairs haben die Kinder Nachmittags von der Kita abgeholt (Hinbringen morgens haben wir in der Regel gemacht) und dann die Zeit bis zum Abendessen (gegen 18 Uhr) mit ihnen oder mir einem von uns plus Kindern oder mit einem der Kinder verbracht. Das ist der große Vorteil, wenn man zwei oder mehrere Kinder hat: Man hat immer eine „zweite Hand“ (bei anstrengenden aktiven Zwillingsjungs im noch nicht vernunftgeleiteten Alter nicht zu unterschätzen) oder läßt ein Kind beim Aupair, während man Zeit für und mit dem anderen hat. Auch wenn ich nicht jeden Tag bis 18 Uhr gearbeitet habe, so wusste ich, dass die Abholung und Betreuung in jedem Fall sicher gestellt ist, auch wenn ich mal später dran war oder am Nachmittag länger arbeiten musste. Das hat für mich unheimlich viel Stress aus meinem Berufsleben und damit auch aus meinen Nachmittagen mit den Kindern genommen. Wenn ich mal ganz ausnahmsweise viel länger arbeiten musste oder im dicken Stau stand, konnte ich dem Aupair auch schnell eine SMS schicken: „mach doch bitte schon mal das Abendessen“ oder „könntest Du die Kids schon bettfertig machen, ich bin gleich da!“. Umgekehrt wussten wir von abendlichen Terminen des Aupairs, wenn sie pünktlich oder früher weg musste und haben uns darauf eingerichtet.

Außerdem haben die Aupairs die Kinder am Samstag Vormittag betreut. Das ist unsere „Paarzeit“. Wann man das Aupair nutzt, um sich diese Zeit zu Zweit zu nehmen, ist sicherlich abhängig vom Alter der Kinder und den Lebensgewohnheiten der Eltern. Wir haben die Aupairs dafür nur ganz selten am Abend als Babysitter genutzt, aber unser Samstag Morgen war und ist uns „heilig“. Allerdings ist auch das Wissen darum, abends einfach mal das Babyphone ins Aupair Zimmer reinzureichen und eine Runde um den Block gehen zu können, ein unbezahlbarer Vorteil.

Außerdem waren unsere Aupairs für festgelegte Tätigkeiten im Haushalt zuständig. Bei uns war das von Montag bis Freitag das Sauberhalten von Wohnzimmer (eigentlich Kinderspielzimmer) und Küche (bei Bedarf saugen, abspülen, Geschirrspüler ein-/ausräumen, Tisch und Arbeitsflächen abwischen, Müll rausbringen) sowie Einkaufen gem. Einkaufszettel bzw. nach selbständig festzustellendem Bedarf der regelmäßig gebrauchten Lebensmittel (nachdem die Aupairs einige Zeit da waren, musste ich die täglichen Dingen wie Brot, Milch, Joghurt, etc. gar nicht mehr aufschreiben, weil sie selbst wussten oder nachgeschaut haben, was wir brauchen. Super Erleichterung!). Diese Hausarbeiten bedeuten bei uns einen Zeitaufwand von ca. 1 Stunde am Tag. Daher hatten wir mit den Aupairs vereinbart, dass ihre „regelmäßige Arbeitszeit“ Montag bis Freitag von 14 – 18 Uhr täglich sein sollte. Erst aufräumen und einkaufen, dann die Kinder abholen und bis zum Abendessen betreuen.

Wir hatten außerdem vereinbart, dass die Aupairs gelegentlich ganztägig die Kinder betreuen, z.B. wenn die Kita zu hat oder ein Kind krank zu Hause bleiben muss. Diese „Kranktage“ waren dann meist die Tage, wo das Kind eigentlich schon wieder fit ist, aber noch ein oder zwei Tage nicht in die Kita oder Schule kann oder soll. Wenn die lieben Kleinen richtig krank sind, hilft ja erfahrungsgemäß eh nur Mama (und ich würde sie in diesem Zustand auch gar nicht beim Aupair lassen wollen), aber diese „noch nicht wieder richtig fit“ Tagen, erleichtert ein Aupair ungemein. Wir haben unsere Jungs sich dann auch guten Gewissens noch ein oder zwei Tage zu Hause auskurieren lassen, wo wir sie sonst wahrscheinlich – ohne Aupair – mit etwas schlechtem Gewissen schon wieder in die Kita gebracht hätten, weil Termine im Büro drücken. Und auch die Jungs haben diese Kranktage – ohne den Bruder mit dem Aupair zu Hause, man darf weil man ja krank ist tagsüber fernsehen und ausnahmsweise auf der Couch sein Brot essen –  immer sehr genossen.

Je nach Aupair hat es sich natürlich auch immer mal ergeben, dass das Aupair auch außerhalb ihrer „Arbeitszeiten“ mit den Kindern gespielt hat (während wir zu Hause waren), sie die Kinder zu einer Unternehmung am Sonntag mitgenommen hat oder ich auf Zuruf kurz etwas einkaufen gehen konnte, ohne die Jungs zwingend mitzunehmen. Auch bei den gemeinsamen Mahlzeiten haben die Aupairs oftmals mitgeholfen den Tisch zu decken oder abzuräumen. Wir haben das nicht verlangt, sondern uns gefreut, wenn Hilfe kam. Eines unserer Aupairs hat z.B. nach dem Abendessen immer abgeräumt und die Küche blitzblank sauber gemacht, so dass wir mit den Kindern nach oben verschwinden konnten, um sie bettfertig zu machen. Das gleiche Aupair hat auch, als wir zwei Wochen im Urlaub waren, die gesamten Küchenschränke ausgeräumt, saubergemacht und wieder eingeräumt (nach einem neuen, für sie sinnvolleren System – das war der einzige Punkt, der meine Begeisterungsstürme ein ganz kleines bisschen gemindert hat). Und apropos Urlaub, noch ein Punkt auf der Vorteileliste: wir hatten immer jemanden, der unser Haus gehütet, Briefkasten geleert und Garten sowie Blumen gegossen hat. Auch sehr praktisch…

Was wir nicht vorab besprochen hatten, was sich aber je nach Aupair und Gelegenheit so ergeben hat – insbesondere zum Ende ihres Aufenthalts, wo sie die Kinder und Abläufe schon sehr gut kannten – waren ein paar wenige freie Wochenenden, die mein Mann und ich ohne die Kinder wegfahren konnten. Das hätten wir nicht bei allen unseren Aupairs gemacht und auch erst, als die Kinder etwas älter waren und nur zu ganz besonderen Anlässen (Einladung zur Hochzeit o.ä.), aber es hat jeweils super geklappt und ist natürlich, wenn man keine Omas, Opas, Geschwister, enge Freunde (mit denen man auch nach zwei Tagen mit unseren Jungs noch befreundet sein kann) etc. am Ort hat, unbezahlbar. Bei etwas älteren Kindern als unseren ist das wahrscheinlich noch viel unproblematischer und damit aus meiner Sicht auch ein riesen Vorteil eines Aupairs.

AuPair Vertrag

In Berlin muss man zur Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis für Aupairs, die der Visumspflicht unterliegen, einen Aupair-Vertrag vorlegen. Hier gibt es Muster im Internet, die ich genommen und angepasst habe. Daneben halte ich es aber für extrem wichtig und hilfreich, zusätzlich zu diesem Vertrag die gerade genannten Punkte zu Beginn der Aupair-Zeit ausführlich schriftlich festzuhalten und zu besprechen. Da wir keinen Aupair-Vertrag aus der Hand geben wollten, der Details zu unserem Leben und unseren Kindern enthält, haben wir neben dem Vertrag ein zweites Dokument gefertigt, um alle Informitionen, die uns für das Zusammenleben und -arbeiten wichtig waren, festzuhalten. Dazu gehören die Arbeitszeiten, die Arbeitsinhalte und optionale Pflichten. Außerdem alles wichtige rund um die Kinderbetreuung. Nicht nur wenn man ein Kind mit speziellen Bedürfnissen hat wie wir, gibt es ganz viele Dinge zum Umgang, zu Gewohnheiten, zu Dingen die erlaubt oder verboten sind (Stichwort: einheitliche konsequente Erziehung) sowie Nummern von Ärzten und Giftnotruf (haben unsere Aupairs tatsächlich zwei Mal genutzt!), die man dort ebenfalls rein schreiben kann. Aber auch darüber hinaus sollte man Erwartungen und Grenzen hinsichtlich des Zusammenlebens (Lüften, Heizen, Sicherheitsmaßnahmen beim Verlassen des Hauses, Besonderheiten bei der Benutzung von Haushaltsgeräten, (Männer-)Besuche, etc.) und sonstige Wünsche und Regeln schriftlich formulieren. Ihr werdet vielleicht denken, dass Euch das zu „kleinteilig“ ist? Meine Erfahrung ist, dass diese Punkte in einem Gespräch gerade am Anfang der Aupair-Zeit zwar besprochen und gehört, aber nicht aufgenommen und verinnerlicht werden. Alle sind noch etwas aufgeregt, es gibt vielleicht Sprach- und Verständnisschwierigkeiten und man tut sich im Gespräch manchmal auch schwer, gerade „negative Dinge“ klar und deutlich zu formulieren. So kann das Aupair das Papier nach einem ersten Gespräch noch einmal in Ruhe lesen und vielleicht auch ab und zu wieder drauf schaut. Auch tut man sich nach zwei Monaten schwer, dem Aupair zu sagen, es soll bitte die Kassenzettel bei Einkäufen aus der Haushaltskasse aufheben, denn das klingt nach Mißtrauen. Wenn das von Anfang an vereinbart ist, ist das neutral und viel einfacher und man geht vielen Konflikten und Missverständnissen aus dem Weg. Ich hänge Euch am Ende des Beitrags eine Liste als Muster zum Herunterladen an, die wir in dieser Art genutzt und im Laufe der Aupair-Jahre immer wieder verfeinert haben.

So, ich hoffe, dass ich Euch mit meinen Tipps und Erfahrungen die Entscheidungsfindung ein wenig erleichtern konnte. Wenn man keine hohen Kosten für eine Agentur bezahlt, kann man das „Abenteuer Aupair“ auch einfach mal ausprobieren. Ganz oft gibt es Aupairs, die eine Familie für 2-3 Monate (zB in den Semesterferien oder über den Sommer) suchen oder bereits als Rucksacktouristen in Deutschland sind und sich nach Ablauf des Touristenvisums entschließen, länger bleiben zu wollen. Da ist dann das „Risiko“ noch geringer bzw. man kann sie zunächst persönlich kennenlernen, bevor man sich entscheidet.

Wenn Ihr eigene (ähnliche oder ganz andere) Erfahrungen mit Aupairs gemacht habt oder Tipps und Ergänzungen habt, freue ich mich darüber per Email oder in den Kommentaren!

Ich habe auf dem Blog noch zwei weitere Artikel zu Aupairs veröffentlicht: einen zu den Aupair Kosten und einen zu unseren Erfahrungen, der unter anderem beschreibt, warum wir nur noch Mormonen als Aupair aufnehmen. Schaut doch mal rein.

Hier ein Rohling einer Aufgaben- und Hinweisliste für Aupairs zum Herunterladen:

ToDos Aupair

7 Kommentare

  1. Danke für diesen ausführlichen Artikel, das Thema Aupair hat uns schon länger interessiert. Bei unserer aktuellen Wohnsituation ist das zwar noch nicht möglich, aber später vielleicht einmal.
    Die Liste ist auch wirklich gut. Da sind viele Dinge drin, an die ich sicher nicht gedacht hätte.
    Liebe Grüße,
    Franziska

    1. Liebe Franziska, danke für das positive Feedback. Tatsächlich scheitert es fast immer an der Wohnsituation, wer hat schon ein Zimmer (plus Bad) leer stehen, gerade wenn man mehrere Kinder hat… Wir waren in der glücklichen Lage, ein Gästezimmer zu haben, das haben wir „geopfert“.
      Liebe Grüße
      Bea

  2. Vielen Dank für die 3 Blogartikel zu Au-pairs. Ich bin zufällig über Google auf deine Seite gestoßen auf der Suche nach Informationen über Au-pairs, weil ich überlege, ob das etwas für unsere Familie wäre. Deine Berichte lesen sich sehr gut ubd enthalten sehr viele nützliche Informationen, die ich auf keiner anderen Seite so gefunden habe. Vielen Dank dafür!
    Weißt du, wo man diese 3-Monats-Aupairs für den „Einstieg“ finden kann?
    Viele Grüße
    Steffi

    1. Hallo Steffi,
      ich habe zum Beispiel während meiner Suche bei AuPairworld.net ganz viele AuPairs gefunden, die nur für 3, 4 oder 5 Monate kommen wollten. Ausserdem gibt es in größeren Städten oder Regionen Facebookgruppen (für Berlin z.B. „Aupair in Berlin“), wo Aupairs Familien suchen, teilweise auch welche, die schon im Land sind.
      Viel Erfolg bei Eurer Suche! Bea

  3. deine artikel geben einen super Einblick! wir wollen im nächsten jahr eines aufnehmen haben auch schon kontakt zu einer jungen spanierin. wir haben einen raum für sie. allerdings lassen mich die kosten noch etwas zögern! wir haben mit unserem aupair allerdings ein geringeres taschengeld vereinbart weil sie die ersten drei Monate mit mir zusammen alle aufgaben macht. also vielen dank für diesen ausführlichen einblick!

    gruss aus berlin:-)
    annika

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